KI-Suche: So empfehlen ChatGPT & Co. Ihre Kanzlei oder Praxis
SEO & KI-Suche, · 5 Min. Lesezeit, von Alexander Geiger
Ihre nächste Mandantin fragt womöglich keine Suchmaschine mehr, sondern eine KI. „Welcher Anwalt für Arbeitsrecht in Köln ist empfehlenswert?“ Auf solche Fragen antworten ChatGPT, Perplexity und Googles KI-Übersichten nicht mit zehn blauen Links, sondern mit zwei, drei konkreten Empfehlungen. Wer dort nicht vorkommt, existiert für diese Anfrage schlicht nicht. Die gute Nachricht: Welche Seiten KI-Systeme zitieren, folgt erkennbaren Mustern, und die meisten davon können Sie selbst beeinflussen. Dieser Artikel zeigt, was die Systeme bevorzugen, welche sechs Maßnahmen sich in welcher Reihenfolge lohnen und warum der größte Fehler wäre, nach einem „KI-Trick“ zu suchen.
Warum die KI-Suche zuerst Kanzleien und Praxen trifft
Menschen formulieren gegenüber einer KI anders als in einem Suchfeld. Statt Stichworten beschreiben sie ganze Situationen: „Mir wurde nach zwölf Jahren gekündigt. Wer in Köln prüft, ob meine Abfindung fair ist?“ Die Antwort ist keine Trefferliste, sondern ein zusammengefasster Rat mit wenigen genannten Quellen. Und Google selbst blendet KI-Übersichten inzwischen über den klassischen Ergebnissen ein: Die Antwort steht vor dem ersten Link.
Besonders betroffen sind Dienstleistungen mit hohem Einzelwert und langem Rechercheweg: Mandate, Implantate, ästhetische Eingriffe, steuerliche Sonderfälle. Genau dort stellen Menschen viele Fragen, bevor sie anfragen, und genau diese Fragen beantworten KI-Systeme heute zuerst. Der Unterschied zur klassischen Suche lässt sich in vier Zeilen fassen:
| Klassische Suche | KI-Suche | |
|---|---|---|
| Eingabe | „Anwalt Arbeitsrecht Köln“ | ganze Situation, in eigenen Worten |
| Ergebnis | 10 Links plus Anzeigen | eine Antwort mit 2-3 genannten Quellen |
| Sichtbarkeit | Position 1-10, Klick nötig | genannt werden oder gar nicht vorkommen |
| Entscheidend | Rankings, Backlinks, Anzeigenbudget | zitierfähige Antworten und konsistente Fakten |
Was KI-Systeme bevorzugen: fünf Muster
Wie die Auswahl im Detail funktioniert, legt kein Anbieter offen. Aber über alle Systeme hinweg zeigt sich dasselbe Muster: Zitiert wird, was eine Maschine sicher verstehen und sauber herauslösen kann. Fünf Dinge tauchen dabei immer wieder auf:
- Klar strukturierte Seiten. Eine Überschrift pro Thema, kurze Absätze, Listen und Tabellen statt Textwüsten. Was ein Mensch beim Überfliegen versteht, versteht auch ein Sprachmodell.
- Echte Antworten auf echte Fragen.KI-Systeme suchen Passagen, die eine Frage direkt beantworten. Eine Seite, die „Was kostet …?“ fragt und im nächsten Satz eine ehrliche Spanne nennt, ist zitierfähig. Ein Werbetext über „individuelle Lösungen auf höchstem Niveau“ ist es nicht.
- Strukturierte Daten (schema.org). Unsichtbare Auszeichnungen im Quellcode wie Organisation, Service und FAQPage sagen Maschinen eindeutig, wer Sie sind, was Sie anbieten und für wen. Keine Interpretation nötig, kein Rätselraten.
- Konsistente Fakten im ganzen Netz. Name, Adresse, Leistungen und Schwerpunkte identisch auf Webseite, Google-Unternehmensprofil und Fachverzeichnissen. Widersprüche machen Systeme vorsichtig, und Vorsicht heißt in der Praxis: Sie werden weggelassen.
- llms.txt. Eine schlichte Textdatei im Stammverzeichnis der Webseite, die KI-Systemen in Klartext beschreibt, wer Sie sind und was Sie leisten, ein neuer Standard, den noch nicht jedes System auswertet. Der Aufwand liegt bei etwa einer Stunde, das Risiko bei null.
Ein Beispiel: dieselbe FAQ arbeitet doppelt
Am Beispiel FAQ wird das Prinzip greifbar. Sammeln Sie die zehn Fragen, die in Ihren Erstgesprächen wirklich fallen: „Was kostet ein Zahnimplantat?“, „Zahlt meine Rechtsschutzversicherung?“, „Wie lange dauert ein Kündigungsschutzverfahren?“ Beantworten Sie jede davon in drei, vier ehrlichen Sätzen, auch die Kostenfragen, denen die meisten Webseiten ausweichen. Genau diese Ausweichhaltung ist Ihre Chance: Wo alle schweigen, wird die eine ehrliche Antwort zitiert.
Diese eine Inhaltsquelle speist dann zwei Ausgaben gleichzeitig: die sichtbare FAQ-Seite für Menschen und ein FAQPage-Schema im Quellcode für Maschinen, mit exakt denselben Fragen und Antworten. Wichtig ist die Deckungsgleichheit: Ins Markup gehört nur, was auch sichtbar auf der Seite steht. Sauber umgesetzt pflegen Sie eine Stelle und bedienen drei Leser: den Menschen, die klassische Google-Suche und die KI-Systeme.
Sechs Maßnahmen, sortiert nach Aufwand
- Fakten vereinheitlichen: ein Nachmittag. Prüfen Sie Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und Leistungsliste auf Webseite, Google-Unternehmensprofil und in den zwei, drei wichtigsten Verzeichnissen Ihrer Branche. Alles muss wortgleich übereinstimmen.
- llms.txt anlegen: etwa eine Stunde. Wer Sie sind, welche Leistungen Sie anbieten, für wen, in welcher Region. Klartext statt Marketing: Die Datei liest eine Maschine, kein Kunde.
- Überschriften in Fragen verwandeln: ein Tag. Jede wichtige Seite bekommt Zwischenüberschriften, die echte Fragen sind, und direkt darunter die Antwort in zwei, drei Sätzen. Erst danach folgen Details.
- FAQ-Seite aus echten Fragen: ein bis zwei Tage. Die zehn häufigsten Fragen aus Erstgesprächen, ehrlich beantwortet, inklusive Kosten-Spannen. Keine erfundenen Fragen, die nur Keywords transportieren sollen.
- Strukturierte Daten ergänzen: eine Aufgabe für die Technik. Organisation, Service und FAQPage als JSON-LD im Quellcode, deckungsgleich mit dem sichtbaren Inhalt. Einmal sauber aufgesetzt, läuft es mit.
- Ratgeberseiten zu den wichtigsten Fragen: Wochen bis Monate. Die tiefen Antworten, die aus einer Nennung eine Empfehlung machen. Es sind dieselben Inhalte, die auch klassisches SEO tragen. In welcher Reihenfolge sich das rechnet, steht in „SEO oder Google Ads?“.
Ehrlich bleiben: Es gibt keinen KI-SEO-Trick
Rund um die KI-Suche entsteht gerade ein Markt für Abkürzungen: Angebote, die eine „Platzierung in ChatGPT“ versprechen wie einen Anzeigenplatz. Seien Sie skeptisch: Es gibt keine Anmeldestelle, keine buchbare Position und keine Geheimformel. Die Systeme ändern sich monatlich. Was stabil bleibt, ist das Prinzip dahinter: Maschinen zitieren Seiten, die klar strukturiert sind und echte Expertise enthalten. Das ist kein Trick, das ist Handwerk.
Genau darin liegt die Absicherung: Jede Maßnahme aus der Liste oben verbessert zugleich Ihre klassische Google-Sichtbarkeit und die Erfahrung menschlicher Besucher. Selbst wenn sich die KI-Systeme morgen anders verhalten, ist nichts davon verloren. Und die KI-Suche ersetzt auch nicht die kaufbereite Suche mit klarer Absicht. Was eine Anfrage dort kostet, haben wir in „Was kostet ein Mandant über Google Ads?“ vorgerechnet. Beides greift ineinander; nach diesem Prinzip bauen wir auch unsere eigenen Systeme: eine Antwortquelle für Mensch, Google und KI.
Das können Sie diese Woche umsetzen
- Machen Sie den Selbsttest. Fragen Sie ChatGPT oder Perplexity das, was Ihre Mandanten oder Patienten fragen würden, mit Ihrer Stadt. Notieren Sie, wer genannt wird und welche Seiten als Quellen erscheinen.
- Prüfen Sie Ihre Fakten. Webseite, Google-Unternehmensprofil, Verzeichnisse: eine Stunde Abgleich deckt die Widersprüche auf, die Sie unsichtbar machen.
- Sammeln Sie zehn echte Fragen. Aus Erstgesprächen, E-Mails, Telefonnotizen. Das ist der Rohstoff für FAQ, FAQPage-Schema und spätere Ratgeberseiten zugleich.
- Starten Sie mit Maßnahme eins. Konsistente Fakten kosten einen Nachmittag und keine Agentur: der beste erste Schritt.
Die KI-Suche belohnt am Ende dasselbe wie jeder gute Kanal: klare Struktur, ehrliche Antworten, echte Expertise. Wer das heute aufbaut, wird empfohlen: von Menschen wie von Maschinen.